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Wege zum Kind

Adoption

Verheirateten Paaren steht die Möglichkeit offen, gemeinschaftlich ein Kind anzunehmen. Mit der Adoption entsteht rechtlich ein Eltern-Kind-Verhältnis, in dem das adoptierte Kind zur Familie gehört wie ein ehelich geborenes. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zu seinen leiblichen Verwandten erlöschen dann. Adoptionsbewerber müssen einen Antrag bei dem zuständigen Vormundschaftsgericht stellen.

Um zu gewährleisten, dass die Adoption zum Wohle des Kindes geschieht, obliegt Adoptionsvermittlungsstellen wie dem Jugendamt, dem Diakonischen Werk, der Caritas oder der Arbeiterwohlfahrt eine sachdienliche Überprüfung aller Beteiligten. Werden keine Einwände erhoben, sollte das Kind in der Regel vor dem endgültigen Entscheid erst einmal zur Pflege in seiner künftigen Familie leben. Neben Ehepaaren können auch Einzelpersonen ein Kind adoptieren: "Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur allein annehmen." (BGB Paragraph 1741 (2) Satz 1). Es ist also für Lesben und Schwule möglich, als Einzelperson ein Kind anzunehmen. Die gemeinschaftliche Annahme eines Kindes ist für homosexuelle Paare jedoch nicht möglich, da gleichgeschlechtliche Partner/innen nicht heiraten können. Allerdings kann ein von einer Einzelperson adoptiertes Kind mittels Stiefkindadoption durch die Lebenspartnerin/den Lebenspartner adoptiert werden. Diese sogenannte Sukzessivadoption ist seit 2014 möglich.

In Deutschland werden Lesben und Schwule, die einen Antrag auf Zulassung zur Adoption stellen, genauso wie Ehepaare und heterosexuelle Einzelpersonen dahingehend überprüft, ob sie unter Berücksichtigung der moralischen, sittlichen und finanziellen Voraussetzungen geeignet sind, ein Kind zu adoptieren. Es wird geprüft, ob sie den besonderen Anforderungen eines Adoptivkindes gewachsen sind. In den Fällen, in denen sich Lesben und Schwule in Deutschland bisher um die Adoption eines Kindes bewarben, gingen sie gegenüber den Adoptionsvermittlungsstellen offen mit ihrer sexuellen Identität um und machten deutlich, dass sie dem Kind gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin/ihrem Lebenspartner ein Zuhause geben wollten. Von den Mitarbeiter/innen der Adoptionsvermittlungsstellen wurde bei der Erstellung des Sozialberichtes (Home-study) berücksichtigt, dass die Partnerin/der Partner als Co-Mutter/Co-Vater in die Verantwortung miteinbezogen werden soll. Dass die Paare offen und selbstbewusst zu ihrer Lebensweise standen, wurde für die Entwicklung der Kinder als positiv beurteilt. Die Bewerber/innen erhalten die Adoptionserlaubnis in den für sie zuständigen Städten. In der Regel haben sie aber geringe Chancen, in Deutschland ein Kind vermittelt zu bekommen. Hier stehen für ein zur Adoption freigegebenes Kleinkind durchschnittlich zehn anerkannte Adoptionsbewerber/innen – überwiegend Ehepaare – zur Auswahl. Die Jugendämter und die abgebenden Eltern, die der Adoption zustimmen müssen, vermitteln die Kinder nach wie vor am liebsten in "traditionelle Familienformen". Dies hängt auch mit der rechtlichen Situation zusammen. Jugendämter sind wegen der Absicherung daran interessiert, dass Kinder zwei rechtliche Elternteile haben und nicht nur eines.

Um langen Wartelisten oder schlechten Erfolgsaussichten zu entgehen, wählen nicht nur homo-, sondern auch heterosexuelle Paare oftmals den Weg einer Auslandsadoption. Das positiv durchlaufene Verfahren in Deutschland ist Voraussetzung für eine Auslandsadoption, damit diese auch in Deutschland anerkannt wird. Das Jugendamt arbeitet mit 13 Vermittlungsstellen innerhalb Deutschlands zusammen, die gemäß Haager Abkommen mit verschiedenen Ländern Auslandsadoptionen durchführen. Nur sehr wenige Stellen sind bereit, ein Kind an ein gleichgeschlechtliches Paar zu vermitteln. In den meisten Ländern, in denen die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt ist, gibt es im Land selbst genug InteressentInnen. Derzeit ist Südafrika eines der wenigen Länder, aus denen Lesben und Schwule aus Deutschland ein Kind bekommen können. Die Bestimmungen wechseln häufig. Das Münchner Stadtjugendamt ist sehr offen, was die Bewerbung von lesbischen und schwulen Paaren betrifft.

adaptiert nach: www.queerkids.de

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