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Unsere Geschichten

An dem Tag fühlte sich der Morgen etwas wärmer an ...

Am 23. Oktober 2008 kam unsere Tochter gesund auf die Welt. Sie ist die biologische Tochter meiner Lebenspartnerin und meines schwulen Freundes. Ihr Vater hat sie nach der Geburt, wie mit uns abgesprochen, zur Adoption freigegeben, nachdem er die Vaterschaft anerkannt hatte. Dies ermöglichte mir, einen Adoptionsantrag zu stellen und seit dem 22.12.2009 wurde diese Annahme unserer Tochter als mein Kind offiziell vom Amtsgericht München ausgesprochen. An dem Tag, an dem dieses Schreiben in unserem Briefkasten lag, fühlte sich der Morgen etwas wärmer an, als im Dezember üblich. Diese Wärme ist bis heute geblieben, und ich bin sehr froh, dass ich mich zu dieser Adoption entschieden habe. Warum, möchte ich hier kurz schildern.

Während der Adoptionsantrag lief, musste ich unter anderem schriftlich festhalten, woher ich als "Annehmende" die Motivation zu dieser Adoption genommen habe, die Entwicklung der Beziehung zu unserem Kind schildern und das Verhältnis zum leiblichen Elternteil beschreiben. Am Schluss meines Berichts stehen folgende Sätze: "Ich bin überglücklich, dass sie lebt und gesund ist und sehr dankbar, dass wir es geschafft haben, all den Mut zu finden, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Ich wusste immer, dass ich dieses Kind lieben werde wie mein eigenes. Nun ist es vor meinen Augen auf die Welt gekommen, und ich sehe sie seitdem als meine Tochter an - nicht leiblich, aber auf jeden Fall seelisch."

Dass ich aufgrund dieser Liebe das Bedürfnis hatte, unsere Tochter auch zu adoptieren, war nicht von Anfang an so. Im Gegenteil, nachdem wir erfahren hatten, dass meine Freundin schwanger war, überwog zunächst die Freude und Spannung, doch mit der Zeit kam eine große Unsicherheit bezüglich meiner zukünftigen Rolle hinzu: "Mutter", "Lebenspartnerin", "Co-Mutter" - ja, was denn eigentlich? Der Vater unserer Tochter ist ein sehr enger Freund, der zwar sehr weit weg lebt, von dem ich aber wusste, dass die Geburt einer eigenen Tochter auch für ihn etwas sehr Besonderes war. Wir hatten zwar im Vorfeld alles "besprochen" bezüglich der Adoption, aber als dann die Wirklichkeit unsere Träume kreuzte, wurde mir sehr mulmig. Ich wollte ihm nicht sein erstes und wahrscheinlich einziges Kind wegnehmen. Ich fühlte mich nicht berechtigt, so ein großes Geschenk anzunehmen. Meine Zweifel wurden mit Freunden und Verwandten kontrovers diskutiert, dabei überwogen jedoch immer die Stimmen, die mir das Recht und die Notwendigkeit, dieses Kind zu adoptieren, nahe legten. Am überzeugendsten waren jedoch die eher pragmatischen Worte unseres Notars, der meine Bedenken mit einer Frage beantwortete: "Wer hat sich denn dieses Kind als Paar ursprünglich gewünscht, und wer möchte es großziehen?" Mein Freund war immer bereit, das Kind wie besprochen zur Adoption freizugeben. Letztendlich gab dies wohl für mich den Ausschlag, meine Zweifel aufzugeben und anzunehmen, was ich mir doch so gewünscht hatte: Ein eigenes Kind, welches ich zusammen mit meiner Lebenspartnerin großziehen darf. Ihr Vater schrieb in einer E-Mail an mich: "Ich hab doch die biologische Verbindung zu ihr, die kann mir niemand nehmen, und du hast ein Recht darauf, auch etwas zu bekommen, was dir niemand nehmen kann."

Heute ist unsere Maus 15 Monate. Sie sagt abwechselnd Dada, Mama, Papa und Ada zu mir. Egal wie sie mich nennt, sie gehört zu mir. Und das fühlt sich sehr gut an.

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