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Unsere Geschichten

Eine echte Herausforderung für jemanden wie mich, der es gewohnt ist, in den Tag hineinzuleben.

Von wegen, Hauptsache, du bist schwanger, der Rest kommt von allein! Ich musste nicht nur das Jetzt organisieren, sondern sogar ziemlich weit in die Zukunft denken. Jede Menge Papierkram für Elterngeld, Kindergeld, Geburtsklinikvorstellung, Anmeldung zur Kinderkrippe, Anmeldung zur Fruchtwasseruntersuchung … eine echte Herausforderung für jemanden wie mich, der es eigentlich gewohnt ist, in den Tag hineinzuleben. Das mit der Krippe hätte ich besser schon vor der Zeugung gemacht, weil es ziemlich aussichtslos ist, in München einen Platz zu bekommen.

Vor der Fruchtwasseruntersuchung hatte ich Bammel, weil das im Fernsehen und in den Büchern immer so furchtbar aussah. Auch die Risiken waren irgendwie schauerlich, aber in der Realität war das alles halb so schlimm. Der Eingriff an sich war der reinste Kindergeburtstag. Ich hab auf den Beamer gestarrt und gewartet, bis ich die Nadel sehe, die gleich in meine Gebärmutter sticht. Es war aber nichts zu sehen, und da sagte der Arzt auch schon: "So, das war's." Vom Einstich habe ich nichts gespürt, war aber drei Tage krank geschrieben dafür! Ich bin auch brav auf der Couch geblieben und hab mich ausgeruht. Beim Ultraschall hat der Arzt übrigens gesehen, dass es ein Bub wird! YESS! Ich würde von rosa Kleidung, Prinzessin Lillifee und Zöpfeflechten verschont bleiben!

Mittlerweile war es Mitte August, und ich war in der siebzehnten Schwangerschaftswoche. Jeder Vorsorgeuntersuchung fieberte ich entgegen - ob man wohl schon mehr sehen konnte? Die Wochen zogen sich jetzt. Von einem Bauch war noch nicht viel zu sehen, eigentlich gar nix. Der ließ wirklich auf sich warten. Ende Oktober konnte man dann schon eine leichte Rundung sehen, allerdings nur, wenn ich nackt war. Was dem Bauch aber weit voraus war, das war mein Busen. Der war schon innerhalb der ersten drei Monate von Körbchengröße B auf C angeschwollen. Ich hatte Heißhunger auf Äpfel und aß kiloweise davon. Sonst konnte ich Äpfel nie leiden, jetzt war es plötzlich mein Lieblingsobst. Dafür ekelte mir vor Fleisch, was ich vor der Schwangerschaft sehr gerne mochte. Irgendwann kam der Bauch dann doch zum Vorschein. Es wurde immer unangenehmer, Rad zu fahren, weil beim Runterbücken zum Lenker der Bauch im Weg war. Was meinen Bruder sofort auf die Idee brachte, einen Harley-Lenker an mein Mountainbike zu schweißen. Auch das viele Sitzen in der Arbeit war doof, und Rasieren war zum Blindflug geworden. Sport war ein Ding der Unmöglichkeit geworden, schon allein wegen des Busens. Außerdem wollte ich bei Fußball oder Inline-Hockey keine Verletzung riskieren.

Die Schwangerschaft verlief weiterhin bilderbuchmäßig bis auf ein paar heftige Rückenschmerzen, die aber die Osteopathin meines Vertrauens schnell wegzauberte. Die Schwangerschaftsgymnastik war eine willkommene Abwechslung, obwohl sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Ich hätte mir nie träumen lassen, eines Tages mit zehn anderen schwangeren Frauen im Kreis auf Pezzibällen zu Entspannungsmusik herumzuhopsen oder Geburtsstellungen zu simulieren. Vor nicht allzu langer Zeit waren ja noch AC/DC, Luftgitarre und einarmiges Reißen in der Halbliterklasse meine Lieblingskür gewesen.

Meine Tage in der Agentur waren jetzt gezählt. Anfang Dezember war ich dann zu Hause und habe mich auf die Geburt vorbereitet. Was ich auf jeden Fall vermeiden wollte, war ein Dammriss. Vom Weihnachtsmann hatte ich mir eine Dehnungspumpe gewünscht, um meinen Damm schon mal an Durchmesser von zehn Zentimeter zu gewöhnen. Jeden Tag massierte ich meinen Damm mit Öl und weitete ihn danach mit der Dehnungspumpe - ganze vier Wochen lang. Mehr als acht Zentimeter habe ich nicht geschafft. Nach meiner Rechnung würden acht Zentimeter einem Kopfumfang von 25 Zentimetern entsprechen, und wenn das Baby so einen Eierkopf hatte wie ich, würde das wohl reichen.

Ende Januar wurde ich dann immer aufgeregter. Die Kliniktasche hatte ich schon gepackt. Meine Freundin Mone war meine "Jetzt geht's los"-Beauftragte. Sie traute sich schon gar nicht mehr zu trinken, falls sie mich auf einmal in die Klinik fahren müsste. Der 31.Januar verstrich allerdings ohne irgendwelche Anzeichen auf die Geburt. Meine Frauenärztin bestellte mich jetzt alle zwei Tage in die Praxis, am 4.Februar zum letzten Mal. Jetzt sollte ich in die Geburtsklinik gehen, falls die nächsten zwei Tage immer noch keine Wehen einsetzten.

Am 6.Februar war es dann so weit: Ich hatte unheimliche Schmerzen in der Nierengegend. Jetzt hieß es den zeitlichen Abstand zwischen den Schmerzwellen messen. Der war noch über zehn Minuten. Die Schmerzen wurden allerdings heftiger, und der Abstand zwischen den Wehen war irgendwann nur noch fünf Minuten. Jetzt rief ich Mone an. Sie kam sofort, und wir fuhren mit Sack und Pack in die Frauenklinik. Dort wurde ich an den Wehenschreiber angeschlossen - der hat aber nix angezeigt. Mein Muttermunddurchmesser war nur einen Zentimeter! Und ich wurde wieder nach Hause geschickt. Ich hab's nicht verstanden, ich hatte doch solche Schmerzen! Tatsächlich ließen diese dann für den Rest des Tages nach. Sobald ich abends aber ins Bett ging, fingen die Wehen wieder an. Ich konnte nicht schlafen. Alle zehn Minuten eine Welle. Das ging den ganzen nächsten Tag so weiter. Spät abends habe ich es dann nicht mehr ausgehalten. Wieder fuhr ich mit Mone in die Klinik. Der Wehenschreiber zeigte nach wie vor nichts an, und der Muttermund hatte sich noch immer nicht weiter geöffnet. Ich bekam ein schmerzlinderndes Zäpfchen, und wir sind wieder heimgefahren.

Allmählich war ich am Verzweifeln. Ich hatte höllische Schmerzen und schon seit achtundvierzig Stunden nicht mehr geschlafen. Diese Nacht war die schlimmste. Ich habe mich gekrümmt vor Schmerzen und die Luft angehalten. Dann fing ich an zu bluten. Morgens um sechs rief ich Mone an und sagte: "So, jetzt fahren wir in die Klinik, und ich fahre auf gar keinen Fall mehr heim!" Ich war richtig grantig! Diesmal schlug der Wehenschreiber endlich aus. Na also, geht doch! Der Muttermund war vier Zentimeter offen, und ich durfte bleiben. Gott sei Dank. Da kam eine Lernschwester, die ich lieber in einem anderen Kontext kennengelernt hätte, und fragte mit Piepsstimme: "Geht's mit den Schmerzen?" Und ich hab nur gesagt: "PDA, bitte!"

Mein Kreißsaal war ganz klein und hatte nichts von all dem Equipment (Beißholz, Badewanne, Gebärhocker etc.), das wir im Geburtsvorbereitungskurs besprochen hatten. Vermutlich lag es daran, dass ich nach der PDA schmerzfrei bin ... Ich musste noch eine Dreiviertelstunde leiden und auf den Anästhesisten warten, der mir dann den erlösenden Schlauch in den Rücken steckte. Zwanzig Minuten später war ich schmerzfrei und verbrachte die nächsten neun Stunden ganz relaxed auf meinem Bett im Kreissaal, unterhalten von ein paar Freundinnen, während ich mir immer wieder eine Dosis Betäubung in den Rücken jagte.

Dann wurde es langsam ernst. Die Hebamme piekste meine Fruchtblase an, damit sie endlich platzte. Dann musste ich meine bequeme Liegestellung aufgeben, und mir wurde gesagt, jetzt wäre der Muttermund zehn Zentimeter auf und ich könne anfangen zu pressen. Das hab ich dann auch gemacht - halb auf der linken Seite liegend, die Beine angezogen, mit einer Hebamme davor. Mit den Händen hielt ich mich an zwei Griffen fest und stemmte mich dagegen. Auf die nächste Wehe warten - und dann pressen! Mein Kopf lief feuerrot an (das hab ich gespürt), und das Gerät neben mir, das meinen Kreislauf dokumentierte, begann zu piepsen. "Nicht in den Kopf pressen, sondern nach unten!", meinte die eine Hebamme. "Ich hab keine Ahnung wohin, ich spür nichts", sagte ich. "Zwicken Sie mich bitte mal!" Da hat sie mich gezwickt, und ich hatte immerhin die grobe Richtung. Warten auf die nächste Presswehe ... und pressen ... und pressen. Irgendwann telefonierte die Oberhebamme und sagte: "Herr Doktor, das Kind kommt!" Dann hab ich noch einmal gepresst, und der Doktor stürmte gerade zur Tür herein, als das Kind kam! Endlich!

Luka wurde mir, so wie er war, auf die Brust gelegt. Ich war total fertig und zittrig, das Baby war total glitschig - ich konnte ihn kaum festhalten. Das haben die Hebammen wohl gemerkt und mir den Buben wieder vom Bauch genommen. In ein Handtuch gewickelt bekam ich ihn wenig später wieder. Jetzt war er schon griffiger. Nach einer Weile wurde er gewogen (3450g), gemessen (52 cm lang, Kopfumfang 37 cm) und angezogen. Die Hebammenschülerin rückte mit einer Kamera an und machte ein Foto von uns. Irgendwann kam noch die Nachgeburt, die die anderen Anwesenden ganz interessiert begutachteten.

Mein Damm hat übrigens gehalten, trotz des Kopfumfangs! YES! Die Dehnaktion hatte sich also gelohnt. Danke, lieber Weihnachtsmann!



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