intern

Unsere Geschichten

Beim ersten Treffen waren wir noch befangen ...

Unser Sohn wird demnächst zwei Jahre alt, und wir sind sehr froh, dass er bei uns ist. Das war nämlich keine ganz leichte Geschichte ...

Es war für uns beide nach unserem Kennenlernen sehr bald klar, dass wir miteinander ein Kind haben wollten. Es war auch klar, dass wir schnell "starten" mussten, denn die biologische Uhr tickte schon heftig.

Als wir mit der Suche nach einem Mann begannen, der uns in unserem Kinderwunsch unterstützen würde, war es für uns erst einmal naheliegend, in unserem direkten Umfeld zu suchen. Wir fragten einige - schwule, aber auch heterosexuelle - Freunde und nähere Bekannte, die jedoch alle aus verschiedenen Gründen unsicher waren bzw. ablehnten: zu jung, zu alt, zu viel Verantwortung, zu weit weg ...

Deshalb war unser nächster Schritt, eine Anzeige im "Our Munich" aufzugeben und sehr gespannt auf die Resonanz zu warten - ob sich überhaupt jemand melden würde? Tatsächlich antworteten einige schwule Männer, für uns überraschend meistens gleich mit Foto, und mit fast allen trafen wir uns auch. Auf diese besondere Situation versuchten wir uns vorzubereiten und uns nochmals gemeinsam klar darüber zu werden, was wir wollten, worauf wir Wert legten: Welche Rolle sollten Alter, Beruf und Aussehen des Mannes spielen? Das Alter war uns schon wichtig, ansonsten waren wir uns einig, dass Sympathie und unser "Bauchgefühl" entscheidender wären als äußerliche Kriterien. Was wollten wir über den Betreffenden wissen (zu Themen wie Gesundheit, Sexualleben und Interessen), und wie direkt durften wir wohl fragen?

Klar waren und sind unsere Vorstellungen von der "Familienkonstellation": Das Kind wächst bei uns auf und wird im Rahmen der Stiefkindadoption von der nicht-biologischen Mutter adoptiert. Es soll seinen biologischen Vater kennenlernen und die Möglichkeit eines wie auch immer sich gestaltenden Kontaktes haben, allerdings nicht mit festgelegten "Vaterzeiten" und auch ohne direkten Einfluss des biologischen Vaters auf die Erziehung oder Entscheidungen, die das Kind betreffen.

Unsere Treffen mit den verschiedenen "Anwärtern" waren durchaus besondere Situationen, in denen wir uns mit wildfremden Männern über sehr private und intime Fragen austauschten. Beim ersten Treffen waren wir noch etwas befangen, bei den nächsten beiden fanden wir es spannend und teilweise sehr amüsant, das vierte und letzte war nur noch anstrengend. Sehr interessant waren auch die unterschiedlichen Vorstellungen und Beweggründe der Männer, leider waren sie nicht in jedem Fall kompatibel mit unseren eigenen Ideen. Einer suchte einen Erben, einer wollte gerne ein drittes Kind, einer wollte auf jeden Fall anwesender und mitentscheidender Vater werden, obwohl sein Beruf dies überhaupt nicht zuließ.

Die Entscheidung fiel uns dann zum Glück nicht schwer: Es fand sich ein solide lebender, zuverlässiger, unkomplizierter und mit unseren Vorstellungen einverstandener Mann. Jetzt stand der praktischen Umsetzung nichts mehr im Weg!

Wir planten, die Insemination zu Hause durchzuführen, und verabredeten uns mit unserem Spender. Es gab nicht wenig Unsicherheit auf unserer Seite, wie wir dieses Treffen gestalten sollten. Auf jeden Fall ein gutes Essen, damit der Mann gestärkt seiner Aufgabe nachgehen konnte. Folgende Fragen beschäftigten uns sehr: Wo soll der Mann seiner Aufgabe nachgehen? Welches Gefäß ist angemessen, und soll leise Musik den Rahmen verschönern? Letztlich war es sehr unspektakulär - er ging mit einem Plastikbecher ins Bad. Nach getaner "Arbeit" verabschiedete er sich, und es folgte der für uns sehr angenehme Teil ...

Nachdem dies allerdings etliche Male stattgefunden hatte, verlor sich die Romantik ein wenig, und wir hatten Sorge, dass unser potenzieller biologischer Vater vielleicht die Geduld verlieren würde, was aber zum Glück nicht der Fall war. Durch seine sehr regelmäßigen Besuche - zweimal pro Zyklus und meist verbunden mit einem gemeinsamen Essen - lernten wir uns zunehmend besser kennen, wurden uns vertrauter, und es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, die nach wie vor besteht.

Zwischendurch starteten wir auch einen Versuch in einer gynäkologischen Spezialpraxis, da wir annahmen, dass unter den dortigen Bedingungen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft eintreten würde. Doch auch dieser Versuch schlug fehl, sodass wir wieder zur sehr viel angenehmeren "Home-made"-Methode zurückkehrten.

Alles in allem dauerte es, inklusive einer ersten kurzen Schwangerschaft, die nicht blieb, fast zwei Jahre, bis meine Frau schwanger wurde - inzwischen waren wir zu Expertinnen in fast allen Fragen von Zyklus, Eisprung und Befruchtung geworden, hatten aber auch begriffen, wie wenig wir letztlich eingreifen können in Vorgänge, die immer noch von der Natur bestimmt werden. Unsere Geduld und Zuversicht war immer wieder dem Nullpunkt nahe, aber glücklicherweise nie bei beiden gleichzeitig! Und mit Beginn der Schwangerschaft verschwand auch die Anspannung: Es gab keine Komplikationen, die Geburt war ein außergewöhnliches und glückliches Erlebnis, und unser Sohn kam gesund und als ein wunderbares Geschenk zur Welt.

Nach einem Dreivierteljahr war die Stiefkindadoption vollzogen, auch dieser Prozess verlief ziemlich glatt, und mit dem biologischen Vater unseres Sohnes besteht im Drei- bis Vier-Wochen-Turnus ein regelmäßiger Kontakt .



Leben in München als lesbische Familie

München präsentiert sich immer mehr als liberale und weltoffene Stadt. ... mehr lesen

Neuer Erfahrungsbericht

Diesmal: Stiefkindadoption
mehr lesen

Aktuelles

Verein LesMamas e. V. gründet sich in München Gründungsversammlung fand am 16. Oktober 2014 statt

zur Pressemitteilung