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Leben in München als lesbische Familie

Der bayerischen Landeshauptstadt eilt im Rest der Nation ein besonderer Ruf voraus. Recht sauber soll es hier zugehen, schick sind die Straßen und Menschen in der Innenstadt, und abends fliegen in Szenelokalen die Bussis von Wange zu Wange. Eine Stadt in wenigen Sätzen zu definieren ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, aber eins steht fest:
München präsentiert sich immer mehr als liberale und weltoffene Stadt.

Für Lesben und Schwule ist München nach wie vor eine Oase im leider immer noch mehrheitlich schwarzen und recht konservativen Restbayern. Der allseits beliebte Oberbürgermeister Christian Ude hat sich ein tolerantes Klima in seiner Stadt auf die Fahne geschrieben, und - alle Achtung - viele Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt unterstützen ihn dabei 365 Tage im Jahr.

Es weht zwar derzeit keine Regenbogenfahne am prächtigen Münchner Rathaus, aber stadtpolitisch gesehen geht es homophil zu im Herzen der Landeshauptstadt. So hat sich schon seit 1996 die Rosa Liste einen Stadtratsplatz ergattert und setzt sich in Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen unermüdlich für die Belange und Einhaltung der Rechte von Lesben und Schwulen ein.

Dadurch sind Projekte möglich, die uns das Leben als lesbische Familie leichter und für viele Bürger Münchens selbstverständlicher machen. So gibt es zum Beispiel seit Sommer 2008 ein schwullesbisches Jugendzentrum in der Blumenstraße mitten im Zentrum, und schon seit einigen Jahren ist ein Aufklärungsprojekt mit dem Schwerpunkt Homosexualität in Münchner Schulen unterwegs. Neben der Lesbenberatungsstelle Letra, die Information, Beratung und Gruppen für alle lesbische Lebenslagen anbietet, ist die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen eine weitere wichtige Instanz für unsere Interessen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Bemühungen, um Diskriminierungen entgegenzuwirken und die Förderung der Integration von Lesben und Schwulen voranzutreiben. Klischees und Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen sollen dadurch abgebaut werden.

Auf der Internetseite der Rosa Liste wird eine lange Liste von Meilensteinen vorgestellt, die in den letzten Jahren erreicht wurden. Ganz aktuell gibt es für 2010 die vom Stadtrat abgesegnete Vorgabe, dass innerhalb der Gleichstellungsarbeit der Koordinierungsstelle eine besondere Aufmerksamkeit auf die Situation lesbischer Frauen in München gerichtet werden soll und dabei die Teilhabe- und Teilnahmemöglichkeiten von Münchner Lesben zu stärken sind.

Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen plant ab Januar 2010 die Gleichstellungsarbeit für Lesben verstärkt in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit zu rücken und hierfür einen eigenen Arbeitsschwerpunkt "Lesbisches Leben in München" aufzubauen. Wir sind gespannt, was da auf uns zukommt!

Wie lebt es sich nun aber ganz konkret als lesbische Familie in München? Man könnte ganze Romane übers Kinderkriegen, über Babyschwimmkurse und PEKiP-Gruppen schreiben - immer aus der Perspektive der auch in München nicht ganz üblichen Mutter-Mutter-Kind-Konstellation. Bis jetzt können wir uns nicht beschweren. In unserem Umfeld haben die meisten Menschen die Hausaufgaben vom Herrn Bürgermeister erledigt. In Geburtskliniken, bei Kinderärzten, in der Nachbarschaft, bei der Krippenplatz-Auswahl oder beim Metzger um die Ecke geht es oftmals tolerant zu. In Kindergärten und Schulen sind die Erfahrungen sehr unterschiedlich. Manch pädagogische Fachkraft könnte noch ein wenig Nachhilfe brauchen in Sachen Offenheit gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen. Noch immer lösen lesbische und schwule Eltern bei manchen ErzieherInnen bzw. LehrerInnen Ängste und Widerstände aus. Dabei geht es in der Regel hauptsächlich um den Wunsch, als Regenbogenfamilie wahrgenommen und angesprochen zu werden - eigentlich nicht viel verlangt. So fühlt sich jede neue Begegnung und jedes neue Kennenlernen zum Beispiel auch von anderen Müttern wie ein Eislaufen auf unbekanntem Gewässer an. Wir sind vorsichtig und behutsam und klopfen das Eis vorher ab. So ganz und gar entspannt sind wir da selber noch nicht immer.

Dank der monatlichen Austauschmöglichkeit am Stammtisch lesbischer Mütter sind wir aber gut vernetzt und teilen Leid und Freude am lesbischen Familienleben. Und das ist sehr gut so!

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